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Wie profitieren wir von niederländischer Spitzenmedizin?

14-06/2019

Wie profitieren wir von niederländischer Spitzenmedizin?

 

Die Universitätsklinik UMC Radboud in Nimwegen plant einen weiteren, großen Neubau.

Die Universitätsklinik UMC Radboud in Nimwegen plant einen weiteren, großen Neubau.

Foto: AG

Leider wird die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung im Kreis Kleve viel zu wenig genutzt. Parteien erklären, welche Möglichkeiten es gibt.

 

Zur Zahnbehandlung in die Uni-Klinik nach Nimwegen? Die rheumatischen Tagesklinik St. Maarten in Berg en Dal nutzen? Oder die Augenklinik der Radboud? Bislang wird das Spitzenangebot der grenznahen Kliniken in Nimwegen und Arnheim von Patienten aus dem Kreis Kleve kaum in Anspruch genommen.

 

Nur vereinzelt trauen sich Patienten über die Grenze. Oft gibt es Vorbehalte wegen der Sprachbarriere, obwohl sich die niederländischen Häuser sehr darum bemühen, deutsche Patienten auch in deutscher Sprache zu behandeln.

Rechtliche Hürden für den Einsatz der Rettungsdienste

Auch beim Rettungsdienst gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Der Einsatz deutscher und niederländischer Rettungsdienste im jeweiligen Nachbarland wird nach wie vor durch rechtliche Hürden erschwert.

Im Rahmen unserer Europawahl-Serie haben wir daher die Kreisverbände der sechs führenden Parteien gefragt: Welche Möglichkeiten sehen Sie, die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung zu verbessern?

>>CDU-KREISVERBAND KLEVE

„Europa bietet die Möglichkeit, sich unabhängig von seinem Wohnort, überall in der EU medizinisch behandeln zu lassen. Bürger können sich über die Grenzen hinaus das Fachwissen der Ärzte einholen und umfangreich austauschen. Davon profitieren wir alle nicht nur im Urlaub.

 

Obwohl die über viele Jahrzehnte gewachsenen Gesundheitssysteme in Deutschland und in den Niederlanden sehr unterschiedlich sind, gibt es schon Kooperationen. Im Kreis Kleve besteht eine solche etwa mit der Radboud-Universitätsklinik, in die fallspezifisch die Schwerverletzten ebenso mit dem Rettungshubschrauber geflogen werden wie in das grenznahe Krankenhaus von Venlo.

Dennoch ist anzumerken, dass dieses Netz in Zukunft noch enger gesponnen werden kann. Dazu müssen Berlin und Den Haag allgemeingültige Vereinbarungen finden, die dann vielleicht sogar zu einer Blaupause für die EU werden können.“

>>SPD-UNTERBEZIRK KLEVE

„Es gibt ja durchaus Patientinnen und Patienten, die in den Niederlanden behandelt werden. Auch Niederländer kommen zu uns. Schon seit längerem gibt es eine Kooperation zwischen der AOK und dem niederländischen Pendant.

Natürlich sollten solcherlei Kooperationen weiter ausgebaut werden, zum Wohle aller Menschen und unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze sie gerade leben. Langfristig müssen grenzüberschreitende Dienstleistungen deutlich einfacher angeboten und abgerechnet werden können.“

>>DIE GRÜNEN-KREISVERBAND KLEVE

„Es ist schon Anachronismus, dass die offenen Grenzen immer noch so ein Verwaltungshindernis sein können. Studium im benachbarten Land und Arztgang an der Studienstätte sind schließlich auch kein Problem.

Wenn die Allgemeinärzte im Kreis abrechnungstechnisch einfach an niederländische Fachärzte bzw. Klinken überweisen könnten, würde es die Türen zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung in beide Richtungen öffnen.“

>>FDP-KREISVERBAND KLEVE

„Möglichkeiten der Kooperation gibt es bereits heute. Deutsche Patienten können mittels der europäischen Gesundheitskarte ihrer Krankenkasse niederländische Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen.

Auch hier setzen wir uns für eine stärkere Vernetzung ein, damit die Patienten sowohl auf deutscher als auch auf niederländischer Seite von den Vorzügen der Europäischen Union profitieren können.

Hier bedarf es einer stärkeren Vernetzung und Aufklärung, denn viele Patienten und Ärzte wissen zu wenig von den bereits bestehenden Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Gesundheitsvorsorge.“

>>AFD-KREISVERBAND KLEVE

„Es ist jedem selbst überlassen, bei entsprechender Deckung der Krankenversicherung ein Krankenhaus in den benachbarten Niederlanden aufzusuchen.

Die Vorteile von Fachkliniken und besseren Hygienestandards (nahezu keine Probleme mit resistenten Keimen) stehen jedoch den Nachteilen einer Fremdsprache und extrem langen Wartezeiten in den Niederlanden entgegen.

Optimale Gesundheitsversorgung im Kreis Kleve ist nicht die Aufgabe von niederländischen Krankenhäusern, sondern muss in eigener Verantwortung bereitgestellt werden.“

>>DIE LINKE-KREISVERBAND

„Diese Problematik wurde bei den Linken im Kreis Kleve noch nicht thematisiert. Ohne Zweifel ist die grenznahe medizinischer Versorgung in den Niederlanden von sehr guter Qualität.“

(Quelle: ikz-online.de/ 15.05.2019)